Haut und Schleimhäute: Wo unsere Immunabwehr beginnt

Dies ist der zweite Teil meiner Serie über das Immunsystem. Im ersten Beitrag ging es darum, wie unsere Abwehr grundsätzlich arbeitet. Jetzt schauen wir dorthin, wo sie besonders häufig mit der Außenwelt in Kontakt kommt: an die Haut und die Schleimhäute.

Ein kleiner Riss neben dem Fingernagel kann erstaunlich unangenehm sein. Plötzlich spürt man bei jeder Berührung eine Stelle, die vorher selbstverständlich ihren Dienst getan hat. Unsere Haut trennt das Körperinnere von der Außenwelt und hält vieles fern, mit dem wir täglich in Kontakt kommen. An Nase, Mund und Darm übernehmen Schleimhäute eine ähnliche Aufgabe. An diesen unscheinbaren Grenzen beginnt ein wichtiger Teil unserer Immunabwehr.

Wie die Haut Krankheitserreger auf Abstand hält

Die Haut schützt uns auf mehreren Ebenen. Ihre äußerste Schicht besteht aus eng verbundenen Zellen. Fette zwischen diesen Zellen helfen, die Schicht dicht und geschmeidig zu halten. Dazu kommt ein leicht saures Milieu auf der Hautoberfläche, das für manche Krankheitserreger ungünstig ist.

Auf gesunder Haut leben außerdem Bakterien und andere Mikroorganismen. Sie gehören zur normalen Hautflora und stehen in ständigem Austausch mit den Hautzellen und dem Immunsystem. Wird die Haut verletzt, wie bei dem kleinen Riss neben dem Fingernagel, ist die Barriere an dieser Stelle offen. Immunzellen können dann auf eingedrungene Keime reagieren.

Schleimhäute: Schutz an empfindlichen Stellen

An manchen Stellen hat unser Körper besonders viel Kontakt mit der Außenwelt: beim Atmen, Essen und sogar beim Blinzeln. Die Oberflächen von Nase, Mund und Augen brauchen deshalb Schutz, ohne dabei ihre Aufgaben zu verlieren. Dafür sind sie mit Schleimhäuten beziehungsweise, am Auge, mit einer feuchten Oberfläche ausgestattet. Eng verbundene Zellen bilden eine Barriere. Flüssigkeit und Abwehrstoffe auf diesen Oberflächen ergänzen sie.

Am Auge ist es die Tränenflüssigkeit, die die Oberfläche feucht hält. Beim Blinzeln verteilt sie sich und spült kleine Partikel fort. Sie enthält außerdem Eiweiße wie Lysozym und Lactoferrin, die gegen bestimmte Mikroorganismen wirken. Speichel erfüllt im Mund eine ähnliche Schutzaufgabe. Er befeuchtet die Schleimhaut, spült sie regelmäßig und enthält ebenfalls solche Abwehrstoffe.

In Nase und Atemwegen funktioniert die Reinigung etwas anders. Eingeatmeter Staub und manche Erreger bleiben an einer dünnen Schleimschicht haften. Winzige Flimmerhärchen bewegen diesen Schleim langsam zum Rachen. Dort wird er meist unbemerkt geschluckt. Fachleute nennen das mukoziliäre Reinigung: „muko“ steht für Schleim, „ziliär“ für die Flimmerhärchen.

Zum Schutz gehören auch Antikörper. Einer davon heißt sekretorisches Immunglobulin A, kurz sIgA. Es findet sich unter anderem in Tränen, Speichel und Atemwegsschleim. Wenn es an einen passenden Erreger bindet, kann es diesem erschweren, sich an der Schleimhaut festzusetzen. So arbeiten das Wegspülen, der Abtransport und die gezielte Immunabwehr zusammen.

Was die Schleimhäute bei ihrer Arbeit beeinflusst

Damit die Flimmerhärchen den Schleim weiterbewegen können, braucht die Oberfläche der Atemwege ausreichend Feuchtigkeit. Trockene Raumluft kann diesen Transport beeinträchtigen. Vielleicht kennen Sie das Gefühl einer trockenen Nase, wenn im Herbst die Heizung wieder läuft. Daraus lässt sich allerdings nicht ablesen, wie gut das Immunsystem insgesamt arbeitet. Es zeigt zunächst, dass die Schleimhaut auf ihre Umgebung reagiert.

Was Sie im Alltag für Haut und Schleimhäute tun können

Oft sind es einfache Gewohnheiten, die diesen Oberflächen guttun. Waschen Sie Ihre Hände gründlich, aber möglichst mit lauwarmem statt heißem Wasser. Wenn die Haut danach spannt oder rissig wird, kann eine gut verträgliche Handcreme helfen. Gerade die kleinen Risse an den Fingern verdienen Aufmerksamkeit, weil sie die Hautbarriere unterbrechen.

In der Heizperiode lohnt sich ein Blick auf die Raumluft. Ein Hygrometer zeigt, ob sie sehr trocken ist. Als Orientierung für Wohnräume nennt das Umweltbundesamt eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Bei trockenem Mund helfen oft regelmäßige Schlucke Wasser; zuckerfreier Kaugummi kann den Speichelfluss anregen. Wenn Mundtrockenheit länger anhält, sollte die Ursache geklärt werden.

Das sind keine Tricks, mit denen sich Infekte sicher verhindern lassen. Sie helfen vor allem dabei, Haut und Schleimhäute im Alltag zu pflegen.

Und was ist mit dem Darm?

Auch der Darm besitzt eine Schleimhaut. Dort geht es allerdings um mehr als das Abfangen und Entfernen von Fremdstoffen: Nährstoffe sollen aufgenommen werden, während die Schleimhaut zugleich mit unzähligen Mikroorganismen in Kontakt steht. Diesem besonderen Zusammenspiel von Darm und Immunsystem widme ich den nächsten Artikel der Serie.

Wenn Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu den Zusammenhängen im Immunsystem haben, können Sie sich gern an mich wenden.