Das Immunsystem im Herbst: Was der Darm mit unserer Abwehr zu tun hat

Wenn morgens die Luft kühler wird und die ersten Blätter fallen, wächst bei vielen der Wunsch, etwas für die Abwehr zu tun. Vielleicht steht auch bei Ihnen wieder häufiger eine Kanne Tee auf dem Tisch. Beim Immunsystem denken wir jetzt vor allem an Hals und Nase. Ich möchte Ihren Blick diesmal etwas tiefer lenken: auf den Darm.

Im dritten Teil meiner Immunsystem-Serie geht es um einen Ort, den wir meistens erst beachten, wenn er sich mit Blähungen, Bauchschmerzen oder anderen Verdauungsproblemen meldet. Dabei gehört seine Zusammenarbeit mit unserer Abwehr zu seinen täglichen Aufgaben.

Zwischen Außenwelt und Körperinnerem

Im letzten Beitrag ging es um Haut und Schleimhäute als Schutzbarrieren. Auch der Darm besitzt eine Schleimhaut. Sie hat allerdings eine besonders anspruchsvolle Aufgabe: Nährstoffe sollen aufgenommen werden, während Krankheitserreger und schädliche Stoffe möglichst nicht ins Körperinnere gelangen sollen.

Dazu liegen die Zellen der Darmwand dicht nebeneinander. Verbindungen zwischen ihnen, sogenannte Tight Junctions, regulieren den Durchtritt zwischen den Zellen. Zusammen mit Schleim und weiteren Schutzmechanismen bilden sie die Darmbarriere. Stellen Sie sich eine Grenze mit kontrollierten Übergängen vor. Eine vollständig verschlossene Mauer wäre wenig hilfreich, denn schließlich müssen wir unsere Nahrung auch nutzen können.

Die Abwehr muss auch Ruhe bewahren können

In und unter der Darmschleimhaut befinden sich zahlreiche Immunzellen. Sie treffen ständig auf Bestandteile unserer Nahrung und auf Mikroorganismen. Ihre Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, mögliche Gefahren zu erkennen. Sie müssen auch lernen, harmlose Kontakte zu tolerieren.

Ein Stück Apfel soll schließlich keine Abwehrreaktion auslösen wie ein Krankheitserreger. Diese Fähigkeit, angemessen zu reagieren und unnötige Entzündungen zu vermeiden, nennt man Immuntoleranz.

Genau das finde ich spannend: Eine gut funktionierende Abwehr zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie im richtigen Moment Ruhe bewahrt. Im Darm arbeiten dafür Schleimhautzellen, Immunzellen und Mikroorganismen eng zusammen.

Unsere Darmbewohner reden mit

Unser Darm beherbergt eine vielfältige Gemeinschaft aus Bakterien, Viren, Pilzen und weiteren Mikroorganismen. Häufig wird dafür der Begriff Darmmikrobiom verwendet. Diese Gemeinschaft steht in ständigem Austausch mit der Darmschleimhaut und dem Immunsystem.

Ein Teil der Darmbakterien baut Ballaststoffe ab, die unsere eigenen Verdauungsenzyme nicht spalten können. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat. Butyrat z.B. dient den Zellen der Dickdarmschleimhaut als wichtige Energiequelle. Diese Stoffwechselprodukte beeinflussen außerdem die Darmbarriere und die Aktivität von Immunzellen. Sie tragen damit zur Regulation von Entzündungsreaktionen bei.

Spannend finde ich, dass die Zusammenarbeit in beide Richtungen funktioniert: Die Mikroorganismen beeinflussen unsere Abwehr, während das Immunsystem mitbestimmt, unter welchen Bedingungen sie im Darm leben. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes vermeintlich „gutes“ Bakterium, sondern das Zusammenspiel der Gemeinschaft mit unserem Körper.

Unsere Ernährung kann dieses Zusammenspiel beeinflussen. Ein bestimmtes Lebensmittel oder Bakterienpräparat bietet jedoch keinen verlässlichen Schutz vor Erkältungen. Dafür hängen Darmgesundheit und Immunabwehr von zu vielen Faktoren ab.

Mir ist diese Unterscheidung wichtig. Wir können günstige Bedingungen schaffen. Eine Garantie, ohne Schnupfen durch den Herbst zu kommen, gibt es trotzdem nicht.

Der Herbst bringt einiges auf den Tisch

Für den Alltag bedeutet das zunächst etwas angenehm Bodenständiges: abwechslungsreich essen und pflanzlichen Lebensmitteln regelmäßig Platz auf dem Teller geben.

Der Herbst macht es uns leicht. Äpfel, Karotten, Kohl und Kürbis bringen Abwechslung in die Küche. Ergänzt durch Haferflocken, Vollkornbrot, Nüsse oder Hülsenfrüchte liefern sie unterschiedliche Ballaststoffe.

Wie wäre es mit einer Kürbissuppe mit etwas roten Linsen? Oder morgens mit Haferflocken, geriebenem Apfel und ein paar Nüssen? Dafür braucht es keinen völlig neuen Speiseplan. Oft lässt sich das ergänzen, was ohnehin gern gegessen wird.

Wenn Ihr Darm empfindlich reagiert, erhöhen Sie die Ballaststoffmenge langsam und trinken Sie ausreichend dazu. Plötzlich große Mengen können Blähungen und Bauchschmerzen verursachen. Gegartes Gemüse und kleine Portionen können den Einstieg erleichtern. Entscheidend ist, was Sie persönlich vertragen.

Aufmerksamkeit statt Herbstkur

Ich möchte Sie ermutigen, Ihrem Darm auch dann Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er gerade nicht laut protestiert. Eine abwechslungsreiche Ernährung muss weder kompliziert noch perfekt sein. Beginnen Sie mit einer Veränderung, die zu Ihrem Alltag passt.

Wenn Sie Fragen zu diesen Zusammenhängen haben oder Unterstützung wünschen, melden Sie sich gerne bei mir.

Bleiben Sie gesund und herzliche Grüße aus Bruckmühl!